Eine Richterin im Unterricht

Die eigene Meinung sagen, ohne deshalb verfolgt zu werden. In eine Schule gehen, um lernen zu können. Sich mit Freunden in der Öffentlichkeit treffen, ohne verjagt zu werden. Diese Rechte und viele andere mehr sind für uns eine Selbstverständlichkeit. So selbstverständlich, dass man sich darüber kaum noch Gedanken macht.

Das sollte man aber, meinten Florian Klein und Celina Grasse vom Adolf-Bender-Zentrum aus St. Wendel. An der Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn in Erbach wurde bereits zum zweiten Mal das Projekt „Kinderrechte, Menschenrechte – Richter gehen in die Schulen“ durchgeführt. Zusammen mit 20 Schülerinnen und Schülern der Klasse 10.2 stellten die Referenten in der Einführungsveranstaltung zusammen, welche Menschenrechte es überhaupt gibt und wie es um ihre Verwirklichung in der Welt bestellt ist. Sehr schnell wurde den Jugendlichen klar, dass in vielen Ländern die Menschen in Freiheit vor staatlicher Unterdrückung leben. Genauso schnell fielen ihnen aber auch Beispiele für die Missachtung der Menschenrechte ein und die Schüler erkannten, welch hohen Wert diese Rechte haben. Den Jugendlichen war deutlich anzumerken, dass sie es sehr zu schätzen wissen, in einem Land zu leben, in dem die Menschenrechte geachtet werden,

Den zweiten Teil der Veranstaltung gestaltete die Familienrichterin Laubental vom Amtsgericht St. Wendel. Zu Beginn ihrer Ausführungen sagte sie sehr deutlich, dass sie keine „Richterin Salisch“ sei. Anschließend gab sie einen Überblick über ihr Tätigkeitfeld, das vom Sorgerecht für Kinder über Ehescheidungen und Unterhalt bis zu Adoptionen reicht. Sie machte deutlich, dass es ihre Aufgabe sei, Regelungen zu finden, die die Betroffenen, auch mit Hilfe ihrer Anwälte, nicht finden.

Danach stand sie den Schülern  Rede und Antwort auf Fragen, die im Unterricht vorbereitet  oder spontan gestellt wurden. Und was wollten die Jugendlichen nicht alles wissen! Wieviel verdient man als Richter? Haben Sie schon einmal eine falsche Entscheidung getroffen? Wie wird man Richter? Wozu sind Schöffen da? Dürfen Nicht-EU-Bürger Polizisten werden? Wurden Sie schon einmal bedroht? Gibt es einen besonderen Schutz für Richter? Eine Frage folgte der nächsten, immer wieder streckten sich Finger in die Höhe, sodass die 90 Minuten kaum ausreichten. „Es freut mich sehr“, meinte die Richterin, „dass die Jugendlichen so eifrig mitmachen und ihr Interesse so groß ist.“ Beeindruckt war sie auch von der Höflichkeit und der Konzentration, mit der die Schüler ihren Ausführungen folgten.

Geduldig und ausführlich beantwortete Frau Laubental alle Antworten, informierte nebenbei noch über die Unterschiede zwischen Zivilgericht und Strafgericht, öffentliche und nichtöffentliche Verhandlungen, lebenslange Haftstrafe und über die Problematik von Zeugenaussagen.

Am Ende waren sich alle Beteiligten einig, dass dies eine sehr gelungene Veranstaltung war, die auf jeden Fall noch einmal durchgeführt werden sollte.